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 Die meisten Hörzeitungen für Blinde sind Lokalzeitungen. Sowohl die atz als auch viele örtliche Blindenvereine sehen hier eine wichtige Aufgabe. Aber die Auflagen sinken seit langem. Welche Bedeutung hat die lokale Presse überhaupt noch in der Medienlandschaft? Das fragte die atz einen Zeitungs-Journalisten und diskutierte im Kreis ihrer Redakteure über die Konsequenzen für die Hörzeitungen.

Dynamischer Auftakt eines atz-Fortbildungs-Wochenendes: Frank Müntefering, Redakteur einer ländlichen Lokalzeitung, plaudert aus der Schule. Was hat sich in den letzten 20 Jahren geändert im lokalen Journalismus? Wieso hat die Zeitung die Welle elektronischer Angebote überlebt? Das fragten wir ihn auf unserem Redaktionentreffen in Warburg. Mehr Buntes fand er in heutigen Zeitungen bei einem Vergleich mit Ausgaben aus dem Archiv: Im Wortsinn (Vierfarbdruck) und im übertragenen. Der Trend zu kürzeren Texten und mehr Bildern fällt ins Auge.

Optisch anders ist auch der Aufbau der Seiten: Sie sind klarer strukturiert, so findet man schneller, was einem wichtig ist. Das man alles auf einen Blick hat und direkt auswählen kann, bleibt ein Vorteil der Zeitung gegenüber anderen Medien.

Aber auch inhaltlich haben die Zeitungen sich gewandelt: Weniger "Verlautbarungen", knappere Vereinsberichte, dafür immer mehr Service: Einen konkreten Nutzen soll der Leser aus möglichst vielen Artikeln ziehen können, das bindet ihn nicht zuletzt an sein "Blatt".

Und Orientierung geben im lokalen Umfeld soll die Zeitung auch. Guter Lokaljournalismus stellt Hintergründe und Zusammenhänge dar und mutet den Lesern deshalb auch schon mal schwerere Kost zu. Oft ist das ein Angebot für Minderheiten, wenn - wie Untersuchungen zeigen - nur jeder 50. Leser den einen oder anderen Text bis zum Ende liest.

Kritisch sieht der Zeitungsredakteur die Vermischung von Journalismus und Werbung. Die Trennung beider Bereiche (Redaktionelles und Anzeigen) werde immer mehr aufgeweicht, was die journalistische Unabhängigkeit bedrohe.

Viele dieser Themen haben unübersehbaren Bezug zu unseren lokalen Hörzeitungen, auch wenn es einen sehr grundlegenden Unterschied gibt: Bei aller Bedeutung des Lokalen dürfte eine Tageszeitung, die nicht neben dem Lokalen auch die Themen der weiten Welt spiegelt, kaum überleben können.

In Sachen Blindenmedien muss dass anders sein: Hier gilt Arbeitsteilung zwischen lokalen und überregionalen Angeboten. Für den lokalen Wochenüberblick zum Hören aber gelten alle Anforderungen, die Sehende an den Lokalteil ihrer Zeitung stellen. Mit weniger müssen sich auch blinde Menschen nicht zufrieden geben.

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